Ein Gespräch mit Tamara Miner
CTO bei Climate Policy Radar Als CTO bei Climate Policy Radar hat Tamara Miner eine Karriere aufgebaut, die Infrastruktur, Cloud-Technologien, Engineering Leadership und organisatorische Transformation umfasst. Von der Arbeit mit Servern und Rechenzentren bis hin zur Führung von Teams und der Entwicklung technologischer Strategien wurde ihr beruflicher Weg stets von Neugier, Anpassungsfähigkeit und einem starken Fokus auf Menschen geprägt. Wir haben mit Tamara über ihren Weg in die Technologiebranche, ihre Sicht auf Führung und darüber gesprochen, warum Empathie, Inklusion und kritisches Denken heute wichtiger denn je sind. „Ich war schon immer neugierig darauf, wie Dinge funktionieren“
Wie begann Ihr Weg in die Technologiebranche?
Technologie war schon in meiner Kindheit allgegenwärtig. Meine Tante und mein Onkel waren sehr technikbegeistert und gaben uns Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre ihre alten Computer weiter. Als ich auf der Highschool war, baute ich bereits meine eigenen Computer zusammen und tauschte Komponenten selbst aus. Ich erinnere mich an eine Präsentation in der Schule, bei der ich dokumentierte, wie ich einen Computer aufgebaut hatte. Einer der Jungen in meiner Klasse sagte daraufhin: „Aber du bist doch ein Mädchen.“ Das ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Es hat in mir den Wunsch geweckt zu beweisen, dass ich genau dort hingehöre. An der Universität wechselte ich mehrmals das Studienfach. Zunächst studierte ich Maschinenbau, später Sprachen, weil ich fließend Mandarin und Spanisch lernen wollte. Irgendwann merkte ich jedoch, dass mir die technische Seite fehlte, und entschied mich schließlich für ein Doppelfachstudium in International Studies und Information Systems. Diese Kombination aus Technologie und Menschen hat letztlich meinen gesamten Karriereweg geprägt. Lernen durch Infrastruktur und Skalierung
Ihre frühe Karriere war stark von Infrastruktur und Systems Engineering geprägt. Was haben Sie daraus gelernt?
Meine Praktika fanden alle im IT-Bereich statt. Ich arbeitete bei Comcast im zentralen Rechenzentrum, erweiterte Serverkapazitäten und arbeitete direkt an der Infrastruktur. Das war sehr praxisnah und verschaffte mir ein tiefes Verständnis für die physische Seite der Technologie. Später wechselte ich zu Microsoft und arbeitete an dem, was später zu SQL Azure wurde. Ich war in den frühen Tagen großskaliger Cloud-Infrastrukturen dabei, was eine unglaublich spannende Erfahrung war. Zu dieser Zeit fand intern ein großer Wandel statt. Traditionelle Release-Zyklen wurden durch agile Arbeitsweisen ersetzt, und viele Teams standen dieser Veränderung zunächst skeptisch gegenüber. Teil dieser Transformation zu sein, hat mir viel über Zusammenarbeit, Kommunikation und organisatorischen Wandel beigebracht. Außerdem habe ich gelernt, wie wichtig kontinuierliches Lernen ist. Ich sah Menschen, die sich sehr auf ihre bisherigen Arbeitsweisen festgelegt hatten, und erkannte früh, dass ich niemals aufhören wollte zu wachsen oder mich weiterzuentwickeln. Technologie-Führung bei Climate Policy Radar
Was umfasst Ihre Rolle als CTO heute?
Ein großer Teil meiner Arbeit dreht sich um Menschen, Zusammenarbeit und darum, Teams zu helfen, effektiv zusammenzuarbeiten. Bei Climate Policy Radar arbeiten wir mit großen Mengen an Klima- und Richtliniendaten und helfen dabei, Informationen zugänglicher und leichter nutzbar zu machen. Die Arbeit fühlt sich besonders sinnvoll an, weil sie einen direkten Bezug zu realen Herausforderungen und Auswirkungen hat. Aus Führungsperspektive liegt mein Fokus darauf, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen ihr Bestes geben können, Teams effektiv zusammenarbeiten und Einzelpersonen in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Technologie-Führung wird oft als rein technische Aufgabe wahrgenommen. Tatsächlich geht es aber zu einem großen Teil um Kommunikation, Vertrauen und darum, Menschen dabei zu unterstützen, gemeinsam erfolgreich zu sein. „Zufriedene Entwickler schreiben besseren Code“
Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Empathie spielt dabei eine zentrale Rolle. Ich bin fest davon überzeugt, dass zufriedene Entwickler besseren Code schreiben. Menschen leisten bessere Arbeit, wenn sie sich unterstützt, wertgeschätzt und befähigt fühlen. Außerdem sollte Führung anpassungsfähig sein. Unterschiedliche Situationen und unterschiedliche Menschen erfordern unterschiedliche Herangehensweisen. Ich habe nie an einen rein hierarchischen Führungsstil geglaubt. Mir ist wichtig, dass Menschen verstehen, warum Entscheidungen getroffen werden, und dass sie sich in den Prozess eingebunden fühlen. Einer der schönsten Aspekte von Führung ist für mich, Menschen dabei zu helfen, Potenziale in sich selbst zu erkennen, die ihnen bisher nicht bewusst waren. Ich habe mit Personen gearbeitet, die nie geglaubt hätten, Führungsverantwortung übernehmen zu können. Zu sehen, wie sie sich zu erfolgreichen Führungskräften entwickeln, gehört zu den erfüllendsten Erfahrungen meiner Karriere. Vorurteile in der Technologiebranche hinterfragen
Sie sprechen offen über Vorurteile und Bias in der Technologiebranche. Warum ist Ihnen das wichtig?
Weil ich sie während meiner gesamten Karriere selbst erlebt habe. Manchmal waren sie offensichtlich, manchmal sehr subtil. Diese Erfahrungen haben maßgeblich geprägt, wie ich heute Führung und Recruiting betrachte. Mir ist es wichtig, faire Einstellungsprozesse zu schaffen und Arbeitsumgebungen zu fördern, in denen Menschen nach ihren Fähigkeiten und Leistungen bewertet werden, nicht danach, ob sie in ein bestimmtes Schema passen. Die besten Teams bestehen aus Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und Denkweisen. Diese Vielfalt führt zu stärkeren Ideen, besserer Zusammenarbeit und letztlich zu besseren Ergebnissen. Ich habe außerdem viel Zeit damit verbracht, Teams dabei zu unterstützen, Bias zu erkennen und Recruitingprozesse zu verbessern. Solche Gespräche sind wichtig. Menschen brauchen Raum, um Fragen zu stellen, zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Erfolg neu definieren
Wie hat sich Ihre Definition von Erfolg im Laufe der Zeit verändert?
Zu Beginn meiner Karriere war Erfolg stark mit Titeln, Gehalt und den Unternehmen verknüpft, für die ich arbeitete. Mit der Zeit hat sich das verändert. Erfolg wurde für mich immer stärker mit Wirkung, Werten und den Menschen verbunden, mit denen ich zusammenarbeite. Ich erkannte, dass ich Tätigkeiten ausüben wollte, die stärker mit meinen persönlichen Überzeugungen und dem Einfluss übereinstimmen, den ich erzielen möchte. Das war ein wichtiger Grund, warum ich mich zunehmend zu sinnstiftender Arbeit hingezogen fühlte. Heute bedeutet Erfolg für mich vor allem, starke Teams aufzubauen, Menschen zu unterstützen und an Projekten mitzuwirken, die einen echten Mehrwert schaffen. Die Bedeutung von Neugier
Welche Fähigkeiten hatten den größten Einfluss auf Ihre Karriere?
Neugier war wahrscheinlich die wichtigste. Ich habe immer Fragen gestellt und versucht zu verstehen, wie Systeme, Teams und Organisationen funktionieren, bevor ich voreilige Schlüsse gezogen habe. Diese Denkweise hat mich während meiner gesamten Laufbahn begleitet. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, effektiv mit unterschiedlichen Zielgruppen zu kommunizieren. Führung bedeutet oft, Komplexität verständlich zu machen, Menschen auf gemeinsame Ziele auszurichten und sicherzustellen, dass alle das große Ganze verstehen. Außerdem ist Anpassungsfähigkeit entscheidend. Technologie verändert sich ständig, und die Bereitschaft zu lernen, sich weiterzuentwickeln und bestehende Ansichten zu hinterfragen, ist heute wichtiger denn je. Ratschläge für Frauen in der Technologiebranche
Welchen Rat würden Sie Frauen geben, die heute eine Karriere in der Technologiebranche aufbauen?
Gehen Sie Ihre Entwicklung bewusst an und setzen Sie sich aktiv für sich selbst ein. Viele Frauen warten, bis sie das Gefühl haben, vollständig vorbereitet zu sein, bevor sie neue Chancen ergreifen. Tatsächlich findet persönliches Wachstum oft bereits statt, bevor man sich wirklich bereit fühlt. Ebenso wichtig ist es, klare Grenzen zu setzen und Erfolg für sich selbst zu definieren, statt den Vorstellungen anderer zu folgen. Und schließlich: Bleiben Sie neugierig. Neugier, Lernbereitschaft und die Offenheit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, haben jede Phase meiner Karriere geprägt.
